Betreff
Sachstandsbericht Kontakt- und Anlaufstelle Rhede
Vorlage
0270/2021/KREIS
Art
Beschlussvorlage

Der Jugendhilfeausschuss nimmt den Bericht zur Kenntnis.

Rechtsgrundlage:

§ 16 SGB VIII

 

Sachdarstellung:

Der Jugendhilfeausschuss beauftragte die Verwaltung in der Sitzung am 11.09.2018 gemeinsam mit dem Träger spätestens nach Ablauf von drei Jahren über die Arbeit der Kontakt- und Anlaufstelle zu berichten. Nach den drei Jahren lässt sich Folgendes zusammenfassend berichten:

Die enge Verzahnung der vier Säulen

1. Offene Sprechstunden/ Beratung,

2. Offene Treffs,

3. Themenbezogene Angebote

4. Aktionen

bietet vielfältige niederschwellige Zugänge für Familien. Das bewährte Konzept der ganzheitlichen, ressourcenorientierten und präventiv wirksamen Familienbildung erweist sich noch immer als hochgradig aktuell und erreicht besonders benachteiligte und belastete Eltern und Kinder.

Mit 238 Familien (jede Familie pro Jahr 1x gezählt) verzeichnete die KuA 2019 einen Spitzenwert. Die Gesamtteilnehmerzahl von 3.596 in 2019 ist ebenfalls der höchste Wert seit Beginn der Erhebung in 2004.

Mit 9 – 12 % sind Väter konstant wenig vertreten. Das Alter der Ratsuchenden steigt insgesamt. In den letzten Jahren war noch etwa die Hälfte der Beratungsklient*innen unter 35 Jahre, in 2020 waren es lediglich noch 29 %. Erziehungsthemen verlagern sich zunehmend auf Probleme mit Heranwachsenden, so dass auch die ratsuchenden Eltern älter sind.

Verlässliche, vertrauensvolle Beziehungsarbeit wird von den Besucher*innen vor allem geschätzt und gewünscht.

Sozialraumorientierung als personenbezogener Ansatz und Netzwerkarbeit waren und sind wesentliche Grundpfeiler der Arbeit.

Die KuA entwickelten ein institutionelles Schutzkonzept. Basis dieses Schutzkonzeptes ist eine trägerspezifisch durchgeführte Risikoanalyse, deren Ergebnisse in das Schutzkonzept einfließen. Die Risikoanalyse und das Schutzkonzept tragen dazu bei, die Sicherheit der Besucher*innen in der KuA zu gewährleisten.

Insgesamt stellen wir einen großen Wunsch nach Unverbindlichkeit fest. Die Besucher*innen nehmen lieber an Einzelaktionen teil. Während in 2018 noch 44 % der erreichten Familien sehr regelmäßig Angebote nutzten, waren es in 2019 noch 25 % der Familien. Das Gruppenangebot für Alleinerziehende wurde zum Jahresende 2020 aufgrund fehlender Nachfrage eingestellt.

Sehr stark ist hingegen die Inanspruchnahme des Beratungsangebots. 58 % aller erreichten Familien fragten in 2018 eine Beratung an. Pro Klient*in verzeichnen wir jährlich 5 – 7 Gespräche. Die Vermittlungen von anderen Institutionen zur KuA sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Beratungsanliegen werden komplexer. Themen setzen sich häufig zusammen aus zwischenmenschlichen Konflikten, psychischen Krisen, Überforderung in der Elternrolle und existentiellen Sorgen wie Schulden und Wohnungssuche. Gestiegen ist in der Pandemie der Anteil der Beratungsklient*innen, die keine Sozialleistungen erhalten.

Sich als niedrigschwellige Anlaufstelle zu verstehen und den Besucher*innen keine langfristigen intensiven Beratungsprozesse anbieten zu können, stellt eine große Herausforderung für die Mitarbeiterinnen dar.

Neben der Beratung ist die Nachfrage für „Hausaufgabenbetreuung“ stetig gestiegen, sowohl von Eltern als auch von Schulsozialarbeiter*innen und Flüchtlingshelfer*innen. Eine lange Warteliste ist unvermeidbar. 70 % der Kinder haben einen Migrationshintergrund, Tendenz steigend. Gerade der Distanzunterricht erschwerte die Situation für Kinder, deren Eltern kaum Deutsch sprechen. Hier zeigen sich besondere Bildungsdefizite.

Im Lockdown boten wir Einzelbetreuung in Form von „Homeschooling-Sprechstunden“ an. Aus personellen Gründen kann die Hausaugabenbetreuung nur noch zweimal wöchentlich angeboten werden. Perspektivisch wird die Refinanzierung von Personal über Förderprogramme angestrebt.

Während der Sprachkurs für Frauen „Deutsch als Fremdsprache“ in 2015/ 2016 boomte, in 2019 kaum noch in Anspruch genommen wurde, ist die Nachfrage in diesem Jahr wieder sehr hoch. Die Teilnehmerinnen mussten viel Geduld mitbringen bis wir im Juni 2021 aufgrund niedriger Inzidenz endlich wieder Gruppenangebote (mit Hygienekonzept) starten konnten. Die mangelnde Aufklärung der Frauen über Impf- und Testnachweise erschwert jedoch die Aufrechterhaltung dieses offenen Angebotes bei höheren Inzidenzen immens.

Seit Beginn der Pandemie orientiert sich die Angebotsgestaltung flexibel an der aktuellen Schutzverordnung und Inzidenzstufe. Trotz umfassender Einschränkungen hat es seit 13.03.2020 ein konstantes Beziehungs- und Unterstützungsangebot gegeben.

Im Sommer 2022 ist der Umzug ins Gudulakloster geplant. Die notwenigen Vorbereitungen laufen. Das größere Raumangebot wird mehr Chancen für multifunktionale Öffnungszeiten bieten. Zudem wird eine intensivere Vernetzung mit Quartiersarbeit und familienunterstützenden Diensten erwartet, was die sozialraumorientierte Familienbildung bereichern wird und die Zielgruppe effektiver unterstützen kann. Viele bildungsbenachteiligte Familien wünschen sich eine bessere Integration in die Gesellschaft. Dies wird durch die zentralen Räumlichkeiten im Kloster begünstigt.