Betreff
FreizeitFietsenbus-Konzept
Vorlage
0218/2008
Art
Beschlussvorlage öffentlich

Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen das Freizeitfietsenbus-Konzept für den Kreis Borken mit den vorgestellten Maßnahmen umzusetzen. Ziel ist es, auf den RegioBus-Linien des Kreises Borken in der Sommersaison an den Wochenenden und den Feiertagen die Fahrradmitnahme auf dem Hänger anzubieten.


Rechtsgrundlage:

· Gesetz über den Öffentlichen Personennahverkehr Nordrhein-Westfalen (ÖPNVG NRW)

· Zweiter Nahverkehrsplan für den Kreis Borken

 


Sachdarstellung:

Der Zweite Nahverkehrsplan für den Kreis Borken sieht als Schwerpunkt der Weiterentwicklung des ÖPNV u.a. die Optimierung der ÖPNV-Marktausschöpfung durch zielgruppenspezifische Angebotsgestaltung vor; als Zielgruppen mit Zuwachspotentialen wurden u.a. im Bereich des Freizeitverkehrs gesehen.

Im Rahmen der mittelfristigen Zielplanung hat der Ausschuss für Verkehr und Bauwesen die Weiterentwicklung des Freizeit-/Fietsenbus-Projektes zu einem einheitlichen Konzept für Freizeit- und Fietsenbusse für das gesamte Kreisgebiet beschlossen.

 

Aus der bisherigen Praxis seit dem Start des ersten Fietsenbusses im Jahr 2005 auf der R 76 zwischen Borken und Ahaus und weiteren Entwicklungsstufen wie z.B. Einführung des Freizeitbusses und die kostenlose Fahrradmitnahme ergeben sich eine Reihe von Erkenntnissen, die für die weiteren Konzeptplanung zu nutzen sind. Die wesentlichen Erkenntnisse sind:

 

Sinnvoll ist die Nutzung vorhandener Buslinien, die am Wochenende über ein entsprechendes Fahrplanangebot verfügen. Sie sind etabliert und können mit wenig zusätzlichem Kostenaufwand genutzt werden. Auf Kreisebene sind das insbesondere die RegioBus-Linien. Es hat sich gezeigt, dass der Regelfahrplan am Wochenende wegen der geringeren Nachfrage (ohne Schülerverkehr und Berufsverkehr) ausreichend Reservezeiten enthält, so dass zeitlich die Verladung der Fahrräder auf den Hänger unproblematisch ist. Die Betriebskosten sind  beschränkt auf das Anhängen und Abhängen sowie die Wartung des Hängers und den erhöhten Kraftstoffverbrauch. Die Bekanntheit des Fahrplanes und die Vernetzung mit anderen Buslinien sowie den Bahnlinien sind ebenfalls große Vorteile. Demgegenüber hat sich die Idee, mit einem Freizeitbus am Sonntag nicht nur die Fahrradfahrer, sondern auch Wanderer und Inliner anzusprechen und gezielt Kultur- und Freizeiteinrichtungen anzufahren, nicht bewährt. Die Nutzerzahlen haben nicht das erwartete Niveau erreicht, trotz intensiven Marketings. Im Verhältnis zum Nutzen steht dem ein hoher Betriebsaufwand gegenüber, da die Fahrten eigens für diesen Zweck durchgeführt werden. Am Bespiel der R 76 hat sich gezeigt, dass ebenso viele Radfahrer den Fietsenbus am Samstag nutzen wie am Sonntag. Ziel sollte daher sein, die Fietsenbusse sowohl samstags als auch sonn- und feiertags einzusetzen. Das Angebot in den Ferien ist zu begrüßen, muss jedoch nicht Bedingung sein.

 

Mit den Maßnahmen aus dem Jahr 2008 konnte das Fietsenbus- und Freizeitbus-Angebot nochmals erheblich ausgeweitet werden, und es wurde damit annähernd eine Flächendeckung im Kreis erreicht. Die Angebote, z.B. des Fietsenbusses und des Freizeitbusses, waren jedoch uneinheitlich und insofern schwer zu kommunizieren. Eine weitgehende Einheitlichkeit der Angebote würde das Marketing deutlich erleichtern.

 

Für das Jahr 2009 werden daher folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

Freizeitbus F1 Isselburg- Bocholt – Borken - Reken

Der Betrieb des Freizeitbusses F1 wird eingestellt. Für die Kosten gibt es keinen angemessenen Deckungsgrad durch die erzielten Einnahmen. Das Angebot ist nicht entwicklungsfähig; so kommt z.B. eine Ausweitung auf den Samstag aus eben diesem Kostengrund nicht in Betracht. Zur Kompensation werden Angebote auf den Linien R51, R74 und evtl. RVN61 geschaffen.

R51 Bocholt – Rhede - Borken – Velen - Coesfeld

Den zentralen Teil des bisherigen Freizeitbusses (Bocholt - Borken) kann die Linie R51 abdecken. Sonntags und feiertags kann der Anhängerbetrieb auf den fahrplanmäßigen Fahrten der Linie R 51 stattfinden. Leider sieht sich WB momentan aufgrund der Umlaufbedingungen nicht in der Lage, mit vertretbarem Aufwand das Samstagsangebot zu leisten. Für den Fahrradtransport können die Hänger, die bisher auf der Freizeitbuslinie F 1 genutzt wurden, übernommen werden.

Die R 51 erfüllt annähernd den vollen RegioBus-Standard, das heißt, auch am Wochenende werden Fahrten im Zwei-Stunden-Takt angeboten. Allerdings startet der erste Bus ab Coesfeld in Richtung Borken sonntags erst um 11.00 Uhr. Hier fehlt die Fahrt um 9.00 Uhr (sh. Vorlage 0213/2008).

RVN-Linie 61 Bocholt - Isselburg - Rees

Gegenüber der WB und dem Regionalverkehr Niederrhein (RVN) wurde angeregt zu prüfen, ob eine Verlängerung der Linie R51 über Bocholt hinaus bis nach Isselburg-Anholt möglich ist. Bislang wird der Bereich von Bocholt in Richtung Niederrhein durch den RVN bedient (Linie 61). Eine durchgehende Linie von Coesfeld über Velen – Borken – Rhede – Bocholt – Isselburg als FreizeitFietsenbus-Linie hätte den großen Vorteil, dass diese parallel zu dem Radwegeprojekt Bocholter-Borkener Aa laufen würde. Das bietet Möglichkeiten des gemeinsamen Marketings.

Alternativ wurde die RVN aufgefordert, für die Linie 61 ein Angebot zu unterbreiten, unter welchen Bedingungen die Mitnahme eines Fahrradhängers auf der Linie 61 bis Rees-Millingen möglich wäre. Mit diesem Angebot wurde die Verbindung des FreizeitFietsenbus-Netzes des Kreises Borken zum Niederrhein realisiert.

R74 Borken – Heiden - Reken

Um auch den Raum Heiden – Reken, der bisher vom Freizeitbus F1 bedient wurde,  weiterhin mit an das FreizeitFietsenbus-Netz anzubinden, kann die Linie R 74 genutzt werden. Diese führt über Heiden nach Groß Reken bis Hülsten. Geprüft wird derzeit – auch unter konzessionsrechtlichen Gesichtspunkten – ob eine Durchbindung dieser Linie über Hülsten hinaus bis nach Klein Reken machbar ist.

R21 Borken – Raesfeld – Erle (- Dorsten)

Auf der R 21 Borken – Raesfeld – Erle wurde erstmals ab Sommer 2008 der Bus am Wochenende mit Fahrradanhänger gefahren. Dieses Angebot wurde von den Bürgern nicht angenommen. Es ist zu vermuten, dass wegen des kurzen Streckenabschnittes die Hängernutzung nicht attraktiv ist. Vorrangig soll nun geprüft werden, ob die Linie, die an allen Werktagen bis Dorsten durchgebunden ist, auch am Wochenende den Umlauf bis Dorsten erweitern kann. Dadurch könnte Nutzerpotential im Raum Dorsten und dem Ruhrgebiet (Bahnhof) erschlossen werden. Darüber hinaus würde auch für die Jedermann-Nutzer am Wochenende das Angebot bis Dorsten hergestellt. Diesbezüglich gab es immer wieder Hinweise auf Bedarf. Sollte diese Erweiterung nicht gelingen, muss der Fietsenbusbetrieb des R 21 zum Fahrplanjahr 2009 eingestellt werden.

R 61 Vreden – Stadtlohn – Gescher – Coesfeld

Auf der Linie R 61 Vreden – Stadtlohn – Gescher – Coesfeld ist erstmals der Fietsenbus im Sommer 2008 angeboten worden, bislang allerdings nur sonntags. Ab 2009 soll die Westfalen Bus dieses Angebot auch auf den Samstag ausdehnen. Die WB sieht darin umlauftechnisch keine Probleme.+

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

R76 Borken – Stadtlohn – Ahaus – Gronau

Die Linie R76, unser erster Fietsenbus läuft erfolgreich seit 2005, hat sich bewährt und ist unser Vorzeigeprodukt des Fahrradbusses. Er soll mit dem bewährten Konzept weiter betrieben werden und bietet neben den Samstagen, Sonntagen und Feiertagen zusätzlich die Fahrradmitnahme in den Sommerferien täglich an.

 

Mit diesen Maßnahmen können wir auf allen RegioBus-Linien – und zusätzlich auf der S 70 – Busse mit Fahrradanhängern fahren lassen. Alle FreizeitFietsenBusse fahren einheitlich im 2-Std.-Takt an allen Samstagen, Sonntagen und Feiertagen, an den Wochenenden im Zwei-Stunden-Takt. Einzige Ausnahme ist die R 51, auf der dieses Angebot nur am Sonntag leitbar ist.

Damit würden wir das im letzten Jahr vervollständigte RegioBus-Netz komplett für die Freizeitfietsenbusse zu nutzen. Alle Städte und Gemeinden des Kreises wären an das FreizeitFietsenBus-Netz angebunden, außer der Gemeinde Legden. (Die Gemeinde Legden profitiert dafür in besonderem Maße von dem Nachtbusangebot.)

Auch die Verknüpfungen über den Kreis Borken hinaus sind über die Bahnlinien in optimaler Weise gegeben. Neben den Bahnhöfen in Ahaus, Bocholt, Borken, Gronau und Reken (evtl.) besteht Anschluss an das Bahnnetz auch in Coesfeld und evtl. Dorsten und Rees-Millingen.

Mit diesem Gesamtnetz würde der Kreis Borken ein Angebot vorhalten, das in dieser Form einmalig ist. Realisiert wird ein wesentlicher Schritt zur Stärkung des Images als fahrradfreundlicher Kreis. Gleichzeitig wird damit auch die Attraktivität für freizeitaktive Touristen erhöht. Da ausschließlich die bestehenden Linien des RegioBus-Netzes genutzt werden, beschränken sich die Betriebskosten auf die zusätzlichen Kraftstoffkosten sowie die Wartung und das Handling der Anhänger.

 

Daneben sollte weiterhin das Marketing betrieben werden, das jedoch neben der Werbung für die FreizeitFietsenBusse und den ÖPNV im Allgemeinen auch eine Imagewerbung für den Kreis Borken beinhaltet. Verstärkt sind die Möglichkeiten des gemeinsamen Marketings mit dem Bereich Tourismus zu nutzen (Münsterland-Touristik, Radwegprojekt Bocholter-Borkener Aa).

 

 

 

 

Entscheidungsalternative(n):

x

Ja

 

Nein

Wenn ja, welche ?

a)      Weiterbetrieb des Freizeitbusses F1. Der F1 verursacht hohe Kosten und hat nicht die erwartete Resonanz (Einnahmen) gebracht.

b)      Verzicht auf eine oder mehrere vorgeschlagene Maßnahmen


Finanzielle Auswirkungen:

Bei Umsetzung aller dargestellten Maßnahmen entstehen folgende Kosten:

Investitionsaufwand: 1 zusätzlicher Anhänger für die Linie R 61 (samstags), 1 Anhänger für die Linie R 74, ein zusätzlicher Anhänger für die Linie R 51, ggf. ein Anhänger für die Linie 61 (Richtung Rees). Jeder Anhänger kostet rd. 11.000 € und kann mit Landesmitteln bis zu 80 % gefördert werden.

 

Der Gesamtaufwand bei den Betriebskosten (ohne Anrechnung von Mehreinnahmen) stellt sich wie folgt dar:

R 21 (WB) Borken – Raesfeld – Dorsten, Sa. und So.         11.000 € (geschätzt)

R 51 (WB) Bocholt – Borken – Coesfeld, nur So.                   5.200 € (ggf. + eine Sonntagsfahrt)

Linie 61 (RVN) Bocholt – Isselburg (- Rees)                                      bisher keine Angaben

R 61 (WB) Vreden – Ahaus – Coesfeld, Sa. und So.              9.500 €

Die Abrechnung der Linien R 74 Borken – Heiden – Reken, R 76 Borken – Ahaus – Gronau, und S 70 Vreden – Ahaus – Schöppingen, werden von der RVM betrieben. Die Abrechung erfolgt über die Kreisergebnisrechnung. Es wird davon ausgegangen, dass die Kosten auf dem Niveau liegen, die von der WB genannt wurden.