Betreff
Antragstellung im Rahmen der 2. Förderphase "Lernen vor Ort"
Vorlage
0030/2012
Art
Beschlussvorlage öffentlich

Die personellen und finanziellen Planungen sowie die vorgestellte Konzeption für die Antragstellung zum 31.03.2012 zur zweiten Förderphase „Lernen vor Ort“ (01.09.2012 – 31.08.2014) werden befürwortet.


Rechtsgrundlage:

Förderrichtlinien für das Programm „Lernen vor Ort“ vom 01.10.2008 als Anlage beigefügt

 


Sachdarstellung:

Personelle und finanzielle Planungen:

In der ersten Förderphase „Lernen vor Ort“ werden 5 Projektstellen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und ESF gefördert. Der Stellenumfang soll in der 2. Förderphase beibehalten werden, jedoch soll eine Verlagerung in den Themenfeldern erfolgen:

 

Themenfeld

Stellenanteil

1.   Förderphase

Stellenanteil

2.   Förderphase

Bildungsmanagement

1,0

1,0

Bildungsmonitoring

1,0

1,5

Technische Bildung

1,0

0,5

Kulturelle Bildung

1,0

1,0

Bildungsberatung

1,0

1,0

Gesamt

5,0

5,0

 

Für Auftragsvergaben (Bildungsmarketing, kulturelle Bildung, technische Bildung, etc.) können für die erste Förderphase Mittel in Höhe von maximal 236 Tsd. Euro abgerufen werden. Nach derzeitigem Stand wird  für die zweijährige Verlängerung mit einer Summe von ca. 160 Tsd. Euro für Auftragsvergaben geplant.

 

Konzeptionelle Planungen:

In seiner Sitzung am 24.11.2011 befürwortete der Ausschuss für Bildung und Schule die Erarbeitung einer Bewerbung zur 2. Förderphase des Programms „Lernen vor Ort“ durch das Bildungsbüro. Zur genauen Abstimmung der inhaltlichen Anforderungen und möglicher Schwerpunktsetzungen des Antrages führte das Bildungsbüro am 10.01.2012 ein Beratungsgespräch mit dem Projektträger PT-DLR. Als Vertreter der bisher bei der Umsetzung der Bildungsberatung beteiligten Kommunen Ahaus und Bocholt war auch Herr Thomas Waschki, 1. Stadtrat der Stadt Bocholt, an dem Gespräch beteiligt.

Der Projektträger PT-DLR hat während des Gesprächs betont, dass die zweite Förderphase dazu dienen soll, insbesondere Steuerungs- und Koordinierungsstrukturen zur Abstimmung von strategischen Prozessen in Bildungsfragen zu etablieren. Für die Antragstellung bedeutet dies, dass nicht so sehr die Umsetzung einzelner thematischer Projekte im Mittelpunkt stehen darf, sondern der Fokus auf der Darstellung einer Gesamtstrategie zur Steuerung und Koordination von Bildungsprozessen über die Projektförderung hinaus liegen muss. Für die Umsetzung eines kohärenten Bildungsmanagements, wie es der Kreis Borken anstrebt, muss daher im Antrag beschrieben werden, wie die Prozesse zwischen den einzelnen Akteurinnen und Akteuren in Bildungsfragen gesteuert und koordiniert werden können.

Für die Erarbeitung des Antrages der zweiten Förderphase wird daher aktuell überprüft, wie die bisherigen Strukturansätze funktioniert haben, wo sie optimiert und weiterentwickelt oder auch komplett neu erarbeitet werden müssen. Aktuell befindet sich diese Diskussion noch im Klärungsprozess im Lenkungsausschuss „Lernen vor Ort“ mit den beteiligten Städten Ahaus und Bocholt. Basierend auf deren Entscheidung ist ein Gesamtkonzept entwickel- und darstellbar.


Ausgangspunkt: Entwicklungsstrategie für den Kreis Borken

Der Kreis Borken hat sich im Rahmen der 1.Förderphase ganz bewusst dazu entschieden, die Ausgangspunkte, die Zielsetzungen und Aufgaben der strategischen und zukunftsfähigen Entwicklung seiner Bildungslandschaft mit der Entwicklungsstrategie Kompass 2025 zu erarbeiten und durch einen breiten Konsens abzusichern.

Als zentrale Aufgaben im Bereich des strategischen Entwicklungsfelds der „vielfältigen Bildung“ wurden dabei u.a. der Aufbau eines kohärenten Bildungsmanagements, der Aufbau eines Bildungsmonitorings, der Ausbau der Bildungsberatung sowie die Förderung der kulturellen sowie technischen Bildung bestimmt.

Hierzu sind in der 1. Förderphase und im Rahmen der Umsetzung des regionalen Bildungsnetzwerks erste Ansätze und Entwicklungsschritte vorgenommen  worden, um die Themen nicht nur inhaltlich, sondern insbesondere strukturell und organisatorisch in die Entscheidungs- und Steuerungsprozesse der Kreisverwaltung und der Region zu verankern. Ein zentraler Baustein für den Kreis Borken ist sowohl bei der Umsetzung des Bildungsmanagements als auch bei der Steuerung der inhaltlichen Prozesse die Schaffung einer größtmöglichen Transparenz und die Beteiligung der Akteurinnen und Akteure bei der Entscheidungsfindung und Willensbildung. Dies bedeutet, dass bereits gut etablierte und partizipative Elemente wie z.B. die Bildungskonferenz selbstverständlicher Bestandteil der weiteren Arbeit sein werden.

Ausstieg des Netzwerk Westmünsterland e.V.

Bei der Antragstellung für die 2.Förderphase wird es einen zentralen Unterschied zur 1. Phase geben. Der Erstantrag ist mit dem Verbundpartner Netzwerk Westmünsterland e.V. erarbeitet und umgesetzt worden. Das Netzwerk hatte hier vor allem zwei Themengebiete schwerpunktmäßig bearbeitet: Die Umsetzung der Bildungsberatung in Ahaus und Bocholt sowie Projekte zum Bildungsübergang mit dem Schwerpunkt Schule-Beruf.

Die Mitgliederversammlung des Netzwerks Westmünsterland e.V. hat sich in ihrer letzten Sitzung aus vereinsstrategischen Gründen für einen Verzicht der Antragstellung für die 2. Förderphase ausgesprochen. Mit der Umsetzung der kommunalen Koordinierung als Referenzkommune „Neues Übergangssystem Schule-Beruf“ sowie der anvisierten engeren Zusammenarbeit mit den Kommunen bei dem Themengebiet Bildungsberatung sollen die bisherigen Aufgaben inhaltlich und organisatorisch aus Sicht der Kreisverwaltung aufgefangen werden.

Die inhaltlichen Themenfelder der 2. Förderphase werden nachstehend im Überblick dargestellt. Der Schwerpunkt bei der Beschreibung  liegt dabei auf den strukturellen Fragestellungen, den möglichen Steuerungsaufgaben sowie der nachhaltigen Verankerung des Erreichten.

Bildungsmonitoring

Für den Kreis Borken ist das Bildungsmonitoring eine zentrale Dienstleistung, um Steuerungsprozesse anhand von „Daten“ und „Fakten“ zu ermöglichen und wohlbegründete Entscheidungen auf der Grundlage objektivierter Daten fällen zu können. Für die Weiterentwicklung des Themenbereichs Bildungsmonitoring stehen in der zweiten Förderphase insgesamt drei Schwerpunktsetzungen im Fokus:

·         Fortentwicklung des bisherigen Bildungsberichtes


Auf Basis der Rückmeldungen und Anmerkungen zu dem ersten Bildungsbericht wird das Rahmenkonzept des Bildungsberichts für den Kreis Borken angepasst und fortentwickelt. Im Rahmen der 2. Förderphase wird der 2. Bildungsbericht basierend auf dieser erweiterten Konzeption erarbeitet und veröffentlicht werden.

·         Transfer des Konzeptes Bildungsbericht in die Region Ahaus mit der Schwerpunktsetzung im Bereich Übergang Schule-Beruf

Die Erfahrungen des ersten Bildungsberichtes zeigen, dass es notwendig ist, zur vertiefenden Darstellung der Entwicklungen im Bildungsbereich auf die kommunale Ebene zu gehen. In Abstimmung mit der Stadt Ahaus und unter Berücksichtigung der Aufgaben innerhalb der Referenzkommune „Neues Übergangssystem Schule-Beruf“ soll für die Stadt Ahaus und die umliegenden Städte und Gemeinden ein kommunaler Bildungsbericht erstellt werden. In Zusammenarbeit mit  der Stadt, den Kammern, der Agentur für Arbeit und weiteren Akteurinnen und Akteuren aus dem Übergang Schule-Beruf sollen entsprechende Datenmodelle entwickelt werden, die später auch auf andere Städte im Kreis Borken transferiert werden können.

·         Umsetzung der Datenhaltung und der Datenaufbereitung in der Statistikstelle des Kreises

Damit die bisherigen Erfahrungen und Ansätze auch nach Beendigung der Förderphase umgesetzt und vorgehalten werden können, wird die Datenhaltung und Datenaufbereitung, parallel zur Fortentwicklung des Bildungsberichtes und der Umsetzung der regionalen Modellumsetzung in Ahaus, in der Statistikstelle des Kreises angesiedelt. Hierzu ist es erforderlich, entsprechende Konzepte umzusetzen und funktionierende Koordinierungsansätze für diese Stelle zu entwickeln.

Technische Bildung

Schwerpunkt für die zweite Förderphase ist im Themengebiet technische Bildung der Aufbau und die Ausgestaltung der Koordinierungs- und Steuerungsstruktur des zdi-Zentrums im Kreis Borken.

In der Gründungsphase des Zentrums ist verabredet worden, dass die WFG für den Kreis Borken mbH als Trägerin sowie das Bildungsbüro in enger Abstimmung die strategische Ausrichtung und das Beteiligungs- und Umsetzungsmodell für das Zentrum entwickeln und umsetzen. Im Vordergrund stehen dabei weniger konkrete Umsetzungsprojekte bzw. konkrete Produkte, sondern die Entwicklung eines  Koordinierungsmodells, welches transparent und effizient die Vielzahl von unterschiedlichen Interessen in diesem Themenfeld  bündelt und zusammen mit den regionalen Partnern dann ganz konkrete Ergebnisse und Ansätze zur Umsetzung des Themengebietes technische Bildung erarbeitet. Das Zentrum soll somit die Rahmenbedingungen schaffen, die notwendig sind,  um kontinuierlich und zielgerichtet die technische Bildung in der Region zu fördern und mit der Gesamtstrategie des Kreises zu verzahnen.

Bereits vorhandene praktische Ansätze aus der 1. Förderphase sowie weitere Aktivitäten wie z.B. das „Haus der kleinen Forscher“ werden hierbei berücksichtigt und in den Gesamtprozess aufgenommen.

Kulturelle Bildung

Ziel der zweiten Förderphase wird es sein, eine nachhaltige Struktur für ein abgestimmtes regionales Management der kulturellen Bildung im Kreis Borken zu schaffen. Es gilt, zwischen den unterschiedlichen Kulturträgern nachhaltige Synergien und Strategien  zu entwickeln, um dauerhaft ein lebendiges Netzwerk der kulturellen Bildung im Kreis Borken aufzubauen.

Im Rahmen der ersten Programmphase ist es gelungen, regionale Kultureinrichtungen mit Schulen zusammenzubringen (Regionale Archivwerkstatt, Entwicklung von Museumsmodulen für alle Schulformen). Es hat sich gezeigt, dass die gewonnenen Erfahrungen für eine dauerhafte Umsetzung auf die Stadt/- und Gemeindeebenen ausgeweitet werden müssen. So sollen die zahlreichen Akteurinnen und Akteure von Museen/Archiven/Heimatvereinen/Kulturvereinen und Schulen stärker vernetzt werden und insgesamt eine nachhaltige Struktur aufgebaut werden. Ziel ist es, die Angebotsstrukturen im kulturellen Bereich unter Einbeziehung der Träger der kulturellen Einrichtungen vor Ort zu stärken, um dauerhaft mehr Nutzerinnen und Nutzer aus unterschiedlichsten Zielgruppen für den kulturellen Bereich zu gewinnen. Hierzu soll u. a. eine mediale Netzwerkstruktur entwickelt werden, die es gerade den kleinen Museen und Einrichtungen ermöglicht, sich angemessen auf diversen Portalen und Datenbanken darzustellen.

Bildungsberatung

Durch die Implementierung eines Arbeitskreises der Weiterbildungsträger im Kreis Borken ist es gelungen, auf Kreisebene eine Diskussions- und Abstimmungsstruktur für das breit gefächerte Angebot an Bildungs- und Beratungsdienstleistungen im Bereich Bildung aufzubauen. Bedingt durch das Ausscheiden des Verbundpartners Netzwerk Westmünsterland e. V. aus der 2. Programmphase werden derzeit Überlegungen mit den Städten Ahaus und Bocholt angestellt, um abzustimmen, auf welchem Weg sich die Kommunen künftig stärker in das Themenfeld  Bildungsberatung einbringen können. Die weitere Ausgestaltung des Themenfeldes ist abhängig von dieser Entscheidung, da hierdurch nicht nur inhaltliche, sondern  insbesondere auch organisatorische Fragestellungen berührt werden.

Eines haben jedoch die Erfahrungen aus der ersten Programmphase gezeigt. Die ursprüngliche Idee der Implementierung von Bildungsdienstleistungen in „Häuser des Lernens“ für den Flächenkreis Borken  war in der angedachten Form nicht zweckmäßig. In der zweiten Programmphase wird daher stärker die Weiterentwicklung der Koordinierungsstrukturen in den Fokus rücken. Daraus resultierende inhaltliche und  aufgabenorientierte Entwicklungsprozesse werden verstärkt mit der bereits bestehenden „bunten Trägerlandschaft“ umgesetzt werden.

Ein inhaltliches Themenfeld, das in der 2. Phase auf Kreisebene fortgeführt wird, ist das Bildungsmarketing. Hierdurch soll bestimmten Zielgruppen die Angebote der zahlreichen Bildungsträger in der Weiterbildung, bspw. zur Familienbildung, zur kulturellen oder zur beruflichen Weiterbildung im Kreis Borken näher gebracht werden. Zugleich soll durch den nachhaltigen Aufbau einer kreisweiten Weiterbildungsdatenbank den Bürgerinnen und Bürgern der Zugang zu den zahlreichen und breitgefächerten Bildungsangeboten vereinfacht werden.

Bildungsübergänge

Das Themenfeld Bildungsübergänge (Kindertagesstätte - Grundschule, Grundschule -Sekundarstufe I, Sekundarstufe I – Sekundarstufe II, Schule – Beruf) wird über das Vorhaben Referenzkommune und im Rahmen der Arbeitsschwerpunkte des Bildungsnetzwerks bearbeitet. Als eigenständiger thematischer Schwerpunkt soll es in der 2.Förderphase nicht aufgenommen werden. Die bestehenden Querverbindungen werden aber in der Antragstellung aufgezeigt, bspw. im Rahmen der Umsetzung des Bildungsmonitorings.